Der kosmologische Gottesbeweis gehört zu den ältesten und populärsten Argumenten für die Existenz Gottes. Im Kern sagt er: Weil alles eine Ursache hat, muss es einen „ersten unbewegten Beweger“ geben – und dieser ist Gott.
Dieses Argument zieht seine Kraft aus der Erfahrung, dass nichts einfach so entsteht. Alles, was existiert, scheint eine Ursache zu haben – und diese Ursache wiederum eine vorherige Ursache, und so weiter. Doch irgendwo, so die Annahme, muss diese Kette enden.
Ursprung: Aristoteles, Thomas von Aquin & Co.
Die klassische Form stammt von Thomas von Aquin (13. Jahrhundert), der fünf Wege (quinque viae) zu Gott beschrieb – darunter den Argumentationsweg über die Kausalität:
„Es ist unmöglich, dass eine unendliche Kette von Ursachen existiert. Es muss also eine erste Ursache geben – diese nennen wir Gott.“
Ähnliche Ideen finden sich schon bei Aristoteles, der vom „unbewegten Beweger“ sprach.
Kritik am kosmologischen Beweis
Obwohl dieser Gottesbeweis auf den ersten Blick plausibel klingt, wird er seit Jahrhunderten fundamental kritisiert – sowohl philosophisch als auch naturwissenschaftlich.
1. Warum darf Gott ausgenommen werden?
Der kosmologische Beweis behauptet: „Alles hat eine Ursache – außer Gott.“
Aber warum sollte Gott die einzige Ausnahme sein?
Wenn man akzeptiert, dass etwas ohne Ursache existieren kann, warum dann nicht einfach das Universum selbst? Oder Energie? Oder die Naturgesetze?
Fazit: Das Argument löst das Problem nicht – es verschiebt es nur um eine Stufe.
2. Zeit und Ursache gelten nur innerhalb des Universums
In der modernen Physik ist Kausalität an Raum und Zeit gebunden – beides begann mit dem Urknall. Von „vor dem Urknall“ zu sprechen ist möglicherweise sinnlos, weil Zeit selbst erst da entstand.
Das heißt: Die Idee einer „Ursache vor allem“ könnte kategorisch falsch sein – wie die Frage „Was ist nördlich vom Nordpol?“
3. Selbst wenn es einen „ersten Ursprung“ gibt – warum muss es Gott sein?
Auch wenn man zugibt, dass ein „erstes Etwas“ existieren muss:
- Warum sollte es ein bewusstes, persönliches, allmächtiges Wesen sein?
- Warum nicht ein unbewusster physikalischer Zustand, ein Quantenvakuum oder etwas anderes?
Das Argument beweist höchstens einen Anfangspunkt – nicht den Gott der Bibel oder des Korans.
Fazit
Der kosmologische Gottesbeweis wirkt intuitiv – weil unser Alltag aus Ursache und Wirkung besteht. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Das Universum und seine Ursprünge folgen nicht zwingend den Regeln des Alltagsdenkens.
Er bleibt ein interessantes Gedankenmodell – aber kein schlüssiger Beweis für einen persönlichen Schöpfergott.
Wer den „ersten Ursprung“ mit Gott gleichsetzt, macht einen Glaubenssprung – keinen logischen Schluss.