Widerspruch in der Bibel: Hat Jesus alle Macht – oder doch nicht?

Der Anspruch: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“

In Matthäus 28,18, unmittelbar vor seiner Himmelfahrt, sagt Jesus:

„Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“
– (Matthäus 28,18)

Diese Aussage ist zentral für den christlichen Anspruch, dass Jesus nicht nur ein Lehrer oder Prophet, sondern der erhöhte Herr und göttliche Erlöser sei – gleichberechtigt mit Gott.

Doch im Kontext anderer Bibelstellen wirkt diese Behauptung widersprüchlich – ja geradezu unvereinbar.


Der Widerspruch: Jesus kennt angeblich nicht einmal den Tag des Gerichts

In Markus 13,32 sagt derselbe Jesus:

„Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“
– (Markus 13,32)

Auch in Matthäus 24,36 wird dieser Satz nahezu identisch wiederholt.
→ Jesus verneint hier ausdrücklich, dass er alle göttliche Einsicht oder Macht besitzt – nicht einmal über das Ende der Welt weiß er Bescheid.


Warum ist das problematisch?

Die theologische Lehre behauptet oft, Jesus sei gleichzeitig voll menschlich und voll göttlich gewesen. Doch diese beiden Aussagen stehen in Spannung:

Matthäus 28,18Markus 13,32
„Mir ist alle Macht gegeben“„Ich weiß nicht einmal den Tag des Gerichts“
→ Allwissenheit & Allmacht→ Eingeschränktes Wissen, Unterordnung

Man kann nicht gleichzeitig alle Macht haben, aber in einem zentralen Punkt nichts wissen – besonders nicht, wenn man als Teil der Trinität angeblich eins mit dem Vater ist.


Theologische Ausflüchte – und ihre Probleme

Theologen versuchen diesen Widerspruch oft durch das Konzept der Kenosis zu erklären: Jesus habe seine göttlichen Eigenschaften „freiwillig abgelegt“ und sei bewusst „limitiert“ in seiner irdischen Existenz gewesen (Philipper 2,7).

Doch das macht die Aussage in Matthäus 28,18 nicht weniger widersprüchlich – denn dort spricht er nach der Auferstehung, also nachdem seine göttliche Natur angeblich wieder vollständig sichtbar ist. Wieso sollte er dann nicht wissen, was nur der Vater weiß?


Fazit

Die Aussage Jesu, dass ihm alle Macht gegeben sei, steht im Widerspruch zu anderen Stellen, in denen er fehlende göttliche Einsicht oder Unterordnung bekennt. Dieser Konflikt stellt die Lehre von der Dreieinigkeit und der Gottgleichheit Jesu grundlegend infrage – es sei denn, man akzeptiert Widersprüche als göttliches Mysterium.

Wer behauptet, die Bibel sei widerspruchsfrei, muss erklären, wie Jesus gleichzeitig allmächtig und nicht allwissend sein kann.

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